Mitgedacht: Verband 3DDruck in Zeiten von Corona

Eine Woche ist in diesen Tagen eine lange Zeit. Die EU Kommission denkt über ein Zentrallager für medizinische Ausrüstung nach. Es werden Forderungen nach einer Bundesagentur laut, um die Versorgung mit Schutzkleidung zu zentralisieren. Leider mehren sich auch Berichte über die unlautere Praxis von Akteuren, die sich in der Krise eine goldene Nase verdienen wollen. Ladungen von Schutzmasken gehen verloren. Der Bundesgesundheitsminister spricht von der Ruhe vor dem Sturm.

Der Verband 3DDruck hat sich in den vergangenen zwei Wochen nach Kräften bemüht, schnell und angemessen zu reagieren. Wir können nicht auf einen großen Apparat und viel Geld zurückgreifen. Doch wir können Engagement, Einfallsreichtum und Ehrenamt in die Waagschale werfen.

Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin (TUB) haben wir eine kleine Task Force Corona auf die Beine gestellt (Pressemitteilung) und unsere Potenziale gebündelt. Mein Kollege, Dr. Stefan Kamlage, hat die Verantwortung als Vorstand für Technik übernommen und wir haben unsere Mitglieder um Unterstützung gebeten. Prompt kamen zahlreiche Hilfsangebote und der Stein ins Rollen. Diese Kompetenzen und Potenziale wurden bei unserem Beiratsmitglied Ben Jastram gesammelt und versucht, den Bedarf zu ermitteln. Zeitgleich wurde von unserem frisch ernannten Themenpaten Andreas Velten und dem Vorsitzenden des Beirats, Hagen Tschorn, mit Hochdruck an technischen Lösungen gearbeitet. Parallel haben wir den Kontakt zu anderen Initiativen gehalten. All das hält meine Kollegin Birgit Dirks zusammen und wir justieren jeden Tag aufs Neue die sich immer wieder ändernde Lage.

Wir sind nun an einem Punkt angekommen, an dem wir einen Teil unserer gewonnenen Ergebnisse an ein größeres Netz weitergeben. Wir versprechen uns vom Bündeln dieser Kräfte, dass wir uns auf die technischen Lösungen konzentrieren können. Im Idealfall haben wir in Kürze einen Beitrag geleistet, dass große Lösungen möglich sind.

Es wäre wichtig, wenn es der Additiven Fertigung gelingt, ihren Teil zur Lösung der Krise beizutragen. Wenn Lieferketten unterbrochen werden, dann müssen neue und andere Lösungswege gefunden werden, um Bauteile, Baugruppen, Masken oder Ähnliches zu fertigen – als Übergangslösung vielleicht auch additiv. Gerade weil die „Szene“ so heterogen und noch nicht in allen Branchen etabliert ist, besitzt sie viel unternehmerischen Geist und neuartige Kreativität. Dieses Potenzial kann genau jetzt erprobt werden: flexibel reagieren, additiv machbare Herausforderungen lösen!

Wird dies gelingen, sollte das nicht ohne Wirkung bleiben. Tue Gutes und sprich darüber. Das ist auch unsere Aufgabe. Wenn Sie Interesse und Lust haben, bei uns mitzumachen und Ihr Know-How einbringen, würde uns das helfen. Aus diesem in der Krise klar erkennbaren Grund gibt es Verbände. Und: Auch wir können weitere Unterstützung gut gebrauchen.

Vor allem aber wünschen wir Ihnen gute Gesundheit in diesen Zeiten.

Dr. Justus Bobke, Vorsitzender im Verband 3DDruck

Weitere Artikel zum Thema Corona:

Link-Sammlung zur Corona-Krise

Additive Fertigung nach dem Corona-Virus

Erste Überlegungen zu AF und Corona 

Der Verband 3DDruck e.V. verfolgt seit seiner Gründung einen branchenübergreifenden und umfassenden Ansatz als überparteiliche Denkfabrik. Diskutieren Sie mit. Machen Sie mit.

Podcast mit Stefan Kamlage, Vorstand Technik im Verband

Im Rahmen des 4. AM Forums in Berlin hatte Dr. Stefan Kamlage die Möglichkeit, im Rahmen eines Podcast mit Johannes Lutz von 3DIndustrie seine Sicht auf die Additive Fertigung, Herausforderungen und Visionen zu schildern.

7 Fragen zum 3D-Druck an Stefan Kamlage

Einige seiner Kernaussagen sind:

  • immer wichtiger wird eine bedarfsgerechte Konstruktion – dafür ist es notwendig, dass diejenigen die für die Konstruktion verantwortlich sind, ihre Denkweise ändern und Bereitschaft zeigen, etwas auszuprobieren
  • die Medizin kommt bei Implantaten auf Sicht nicht an der Additive Fertigung vorbei
  • KMU sollten mit Gremien und Experten sprechen, die sich mit den Themen bereits beschäftigt haben, um von deren Erfahrungen zu lernen

Link-Sammlung „3D-Druck und Corona“

Es gibt zahlreiche Beiträge, die für die 3D-Druck-Gemeinde im Zusammenhang mit Corona interessant sein können:

Deutsche Welle: Welche Masken schützen wie gegen Corona? 

Spiegel: Masken gegen Corona weiterhin Mangelware

Beitrag im russischen Fernsehen – Interview mit Andreas Velten, Themenpate Medizin

https://www.nzz.ch/international/generelle-maskenpflicht-in-deutschland-fragen-und-antworten-ld.1552639

https://www.healthcapital.de/news/artikel/vde-bietet-ab-sofort-schnellen-und-kostenlosen-check-fuer-medizinprodukte-und-schutzausruestung/

http://www.stratasys.com/materials/search/biocompatible

Arbeitspapier zu lokal produzierbaren FFP2-Masken

Vorschläge der Leopoldina zur schrittweisen Lockerung

https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-arme-laender-ohne-masken-beatmungsgeraete-medikamente-kein-geld-kein-schutz-a-00000000-0002-0001-0000-000170435656?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph

https://www.tagesschau.de/inland/masken-produktion-deutschland-101.html

https://3druck.com/coronavirus/paris-krankenhaus-3d-drucker-corona-1293131/?fbclid=IwAR39ZJhbQoUs6i_S_7MPBAbqp_3zQMyVGChcIOM5PT8Xe3Z1Bphq0lOD17I

Evonik unterstützt Krankenhäuser 

Das DIN stellt Normen für medizinische Ausrüstung zur Verfügung

https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/coronavirus-entwicklung-von-innovativer-schutzausruestung-a-28e72626-c1c0-46b6-9272-9eb3469f3b40

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-681543.html

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-medizintechnik-hersteller-draeger-eine-absolute-mission-impossible-a-00000000-0002-0001-0000-000170213675

https://3druck.com/coronavirus/siemenscoronavirus-3d-druck-0792808/

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-in-deutschland-schutzausruestung-fehlt-vom-bund-kommt-bisher-wenig-bei-den-laendern-an-a-04ae60dc-3adb-4d37-b004-65806e509b29?fbclid=IwAR3LB8z-4cBT3aKLOBCNI2Gka4rIk-r4arbGUDg-pGEZoNXTjuCjkY94qmk

https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-was-koennen-die-stoff-masken-von-textilfirmen-wie-trigema-a-fa2a1780-2610-4fa5-b651-e98fc0f6d168

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-in-deutschland-sechs-millionen-schutzmasken-spurlos-verschwunden-a-b3ba8e1e-2a79-438a-9d85-dd52f53e428e

https://3druck.com/case-studies/ultimaker-coronavirus-2292630/

 

3D printers fabricate emergency valves for ventilators to keep coronavirus patients breathing

 

Weitergedacht: Additive Fertigung nach dem Corona-Virus

Angela Merkel hat in ihrer Fernsehansprache klargemacht, dass die Lage ernst ist und betont, dass wir sie meistern werden. Noch weiß kein Mensch, wie lange und wie gravierend die Krise werden wird. Demut, Besonnenheit und Gottvertrauen sind sicherlich wichtig. Maßgeblich sind die richtungsweisenden Entscheidungen: Solidarisch, zügig und vorausschauend und im Idealfall richtig. In einem föderalen Land gilt das für alle Bereiche des Lebens und für alle Akteure. So auch für den Verband 3D.

Viele große Krisen haben nicht nur das offensichtlich zerstörerische Potenzial, das Existenzen bedroht und gefährlich für Leib und Leben ist. Wenn es zu handeln gilt, dann muss Pragmatismus dominieren neben Transparenz und Verantwortlichkeit. So haben wir von einer Anfrage der EU Kommission erfahren, die um Unterstützung bat, Gesichtsmasken additiv zu fertigen. Innerhalb kurzer Zeit nahmen meine Kollegen den Ball auf und haben konzentriert und energisch gehandelt. Sie haben unsere Mitglieder vernetzt, um Kompetenzen und Kapazitäten zusammenzufügen. Sie sind dabei, ein gutes und hilfreiches Angebot zu machen. Wir arbeiten daran – ehrenamtlich.

Vor fast vier Jahren haben wir uns als branchenübergreifende Denkfabrik zusammengefunden und waren bestrebt, möglichst konkrete Impulse und Anregungen zu erarbeiten, damit die Additive Fertigung vorankommt – zum Nutzen der Menschen und des Landes. Und nun kann vielleicht die Additive Fertigung einspringen, wenn die Lieferketten nicht mehr so reibungslos funktionieren wie vorher. Das kann das Bewusstsein schärfen, dass diese Fertigung viel mehr kann als das Erstellen von Prototypen oder Prothesen. Lesen sie dazu gerne auch „Vorgedacht: Additive Fertigung und der Corona-Virus“ von Stefan Kamlage in diesem Blog.

Wirtschaft kann man also auch neu denken: gerade während der Krise und dann auch – mit den Erkenntnissen und Erfahrungen – mit Augenmaß nach der Krise. Blicken wir zurück, ist diese Einsicht der rote Faden der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen zweihundert Jahre. Nicht umsonst sprechen wir von wirtschaftlichen Revolutionen.

Wir sind davon überzeugt, dass die Additive Fertigung großes Potenzial hat und künftig eine deutlich wichtigere Rolle spielen wird als bisher. Das betrifft Fertigungsverfahren – Prototypen, Ersatzteile, Kleinserien – diverse Branchen – Medizin, Bauen, Konsumgüter – und generelle Formen des Wirtschaftens – Logistik, Recht, Nachhaltigkeit.

Wenn Sie Interesse und Lust haben, bei uns mitzumachen und Ihr Know-How einzubringen, würde uns das freuen, denn auch wir können weitere Unterstützung gut gebrauchen. Zunächst aber wünschen wir Ihnen gute Gesundheit und dass die Corona-Krise möglichst bald vorbei ist.

Dr. Justus Bobke, Vorsitzender im Verband 3DDruck

Der Verband 3DDruck e.V. verfolgt seit seiner Gründung einen branchenübergreifenden und umfassenden Ansatz als überparteiliche Denkfabrik. Diskutieren Sie mit. Machen Sie mit.

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