Bericht der European Bioplastics (EUBP) Conference 03/04.12.2019

Bericht European Bioplastics (EUBP) Conference 03/04.12.2019

von Christina Arndt, Themenpatin Material

Laut François de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics (EUBP) boomt die Biokunststoffbrache. Die weltweite Produktionskapazität für Biokunststoffe soll von rund 2,1 Millionen Tonnen 2018 auf 2,6 Millionen Tonnen im Jahr 2023 steigen.

Derzeit machen Biokunststoffe etwa ein Prozent der jährlich mehr als 359 Millionen Tonnen des produzierten Kunststoffs aus. Da die Nachfrage steigt und immer komplexere Biopolymere, Anwendungen und Produkte entstehen, wächst der Markt für Biokunststoffe kontinuierlich und diversifiziert sich. Neue und innovative Biopolymere wie biobasiertes PP (Polypropylen) und PHA (Polyhydroxyalkanoate) weisen die höchsten Wachstumsraten auf und wurden auf einer Fläche von 0,79 Millionen Hektar 2019 angebaut.

Das meistgenutzte biobasierte Plastik ist Polylactide (PLA). In den letzten Jahren wurden weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung gefördert. Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Alternativen gibt es derzeit ein weltweiter PLA-Mangel, trotz gestiegener Produktion. Neue Material und Design Ansätze mit den verschiedensten pflanzlichen Rohstoffen wie Rhiniziusöl oder das Gewinnen von Plastik via „Decarbonisation“ aus der Luft wurden vorgestellt.

Der Fokus lag besonders auf der so genannten life cycle assessment (LCA, Lebenszyklusanalyse), cradle to cradle (c2c) und end-of-life Szenarien. Ein weiter beherrschendes Thema sind die Probleme mit der Nomenklatur im Bereich Bioplastik. Besonders für Bioplastik bedarf es einer einheitlichen Definition und einen industriell akzeptierten Standard. Von Michael Carus (Nova Institut) kamen dazu erste Vorschläge einer Gewährleistungsmarke. Noch aber herrscht Verwirrung bei den Konsumenten. Denn: Bioplastik bedeutet nicht zwingend, dass dieses auch abbaubar ist. So wissen laut Gründer Damir Perkic von der niederländischen Designfirma BE-O, die Bioplastikflaschen herstellt, 74% der Konsumenten nicht, was sie bekommen, wenn sie Bioplastik kaufen und wie es entsorgt werden soll. Während François de Bie unterstreicht, dass das chemische Recycling von PLA attraktiv sei, kommt ein Bericht einer Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit fast 1.000 deutschen Kompostieranlagen für Bioabfall und Grünschnitt, zu dem Ergebnis, dass 95% der Kompostieranlagen das Bioplastik nicht normgerecht kompostieren können.

Besondere Aufmerksamkeit der Konferenz galt dem Plastik im Meer. Carmen Arndt vom IfBB (Institute for Bioplastics and Biocomposites der Hochschule Hannover) sprach über die problematische Zersetzung von Bioplastik im marinen Umfeld. Mikroplastik entsteht häufig durch die Entsorgung insbesondere durch Reifen und Textilien. Daher ist eine europäische Richtlinie von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) bis 2022 geplant.

Werner Bosmans von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission erläuterte die Politik der EU-Kommission, die einen Aktionsplan Kreislaufwirtschaft sowie Kunststoffstrategie verfolgt. So soll das Kunststoffrecyling überdacht werden, um seine Vorteile zu nutzen und seine Nachteile zu überwinden. Mit der aktualisierten Bioökonomiestrategie unterstützt die EU die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, insbesondere den „Übergang von fossilen Rohstoffen zu erneuerbaren Alternativen“. Zwar war die Additive Fertigung nur eine Nischenthema, doch die Firmen Technaro und ÖEKO zeigten neue bio-basiertes Filament.

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