Vorgedacht: Additive Fertigung und der Corona-Virus

02.03.2020

Was hat die Additive Fertigung mit dem Corona-Virus zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Mit den Mitteln der Additiven Fertigung kann die Ausbreitung des neuartigen Virus weder eingedämmt noch der Virus selber bekämpft werden. Hingegen bietet die Additive Fertigung aber Möglichkeiten, die Auswirkungen zu verringern, die mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verbunden sind.

Bei der Nutzung traditioneller Fertigungsmethoden ist oft der Preis der entscheidende Faktor für die Auswahl des Lieferanten von Einzelteilen. In vielen Fällen bedeutet das eine Produktion im Ausland und lange Transportwege. Die jetzt in den vom Virus besonders betroffenen Ländern ergriffenen Maßnahmen zu dessen Eindämmung führen zu einer Unterbrechung der Transportwege und zur Schließung von Produktionsstätten. Das gilt derzeit besonders für China, aber inzwischen auch für Italien. Hinzu kommt, dass viele mittelständische Unternehmen die mit einer Einschränkung oder Unterbrechung der Lieferketten verbundenen Risiken nicht kennen. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Studie der Boston Consulting Group hervor, die in den VDI Nachrichten (8/2020) zitiert wird.

Hier kann der Additiven Fertigung eine wichtige Rolle zukommen. Mit dieser Fertigungsmethode ist es möglich, eine dezentrale Fertigung der Baugruppen zu etablieren, die in der Nähe oder sogar beim Nutzer erfolgt. Die Lieferkette für additiv gefertigte Komponenten sieht ganz anders aus als bei traditionell gefertigten Teilen. Bei 3D-gedruckten Teilen werden nur Daten und Rohmaterial für den Druck transportiert. Die Lagerhaltung der Rohmaterialien ist deutlich einfacher als der Transport und das Zusammenführen traditionell gefertigter Komponenten.

Durch die Fertigung direkt beim Nutzer oder in regionalen Druckzentren entfallen viele Transportwege und die Unternehmen haben direkten Einfluss auf ihre Lieferketten. Die Additive Fertigung ist also eine sehr gute Methode die Risiken einer langen Lieferkette bei komplexen Baugruppen zu verringern. Die Produktion rückt sehr viel dichter an den Kunden heran, ohne dass damit Einschränkungen für die Umwelt durch Lärm und Dreck verbunden sind. Zudem wird die Verkehrsinfrastruktur entlastet

Für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Nutzung von Druckerzentren für die Additive Fertigung an verkehrstechnisch günstig gelegenen Orten in vielen Fällen wirtschaftlicher als der Betrieb eines eigenen Druckers. In Druckzentren werden die Geräte von Fachleuten betrieben, die das Potential der Drucker ausschöpfen können und gemeinsam mit den Kunden die geeignetste Methode mit den optimalen Prozessparametern auswählen können.

Es ist anzunehmen, dass die Unterbrechung von Lieferketten durch unterbrochene Transportwege und geschlossene Produktionsstätten den Ausbau von Druckzentren befördern. Somit kann die Additive Fertigung ihren Beitrag bei der Eindämmung von Krankheiten leisten, weil dadurch sowohl Transporte aber auch zahlreiche Reisen überflüssig werden.

Dr. Stefan Kamlage, Vorstand für Technik im Verband 3DDruck

Der Verband 3DDruck e.V. verfolgt seit seiner Gründung einen branchenübergreifenden und umfassenden Ansatz als überparteiliche Denkfabrik. Diskutieren Sie mit. Machen Sie mit.

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